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Das Sjögren Syndrom aus der Sicht eines Hals-Nasen-Ohren-Arztes

Das Sjögren-Syndrom ist eine chronische, langsam fortschreitende Autoimmunerkrankung aus dem Formenkreis der Kollagenosen. Durch den Befall der Tränen- und Speicheldrüsen stellen Mundtrockenheit, Augentrockenheit und wiederkehrende Speicheldrüsenschwellungen die Leitsymptome dar. Über den Befall der Speicheldrüsen hinaus kann es zu einer Mitbeteiligung verschiedener anderer Organsysteme, wie zum Beispiel der Gelenke, des Nervensystems oder des Gastrointestinaltraktes kommen. Das Sjögren Syndrom kann als alleinige Erkrankung, der sogenannten primären Form, oder in Kombination mit anderen Autoimmunerkrankungen, wie etwa der Rheumatoiden Arthritis, als sogenannte sekundäre Form, auftreten. Man vermutet, dass 1-2% der Menschheit an dieser Erkrankung leiden – somit stellt das Sjögren Syndrom nach der Rheumatoiden Arthritis die zweithäufigste rheumatologische Erkrankung dar.

Es existieren zwei Altersgipfel, nämlich zunächst zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr und erneut um das 50. Lebensjahr, in denen die Diagnose häufig gestellt wird. Es sind deutlich mehr Frauen als Männer betroffen. Durchschnittlich vergehen nach Auftreten der ersten Symptome 10 Jahre bis zur endgültigen Diagnose der Erkrankung. Es wird sogar vermutet, dass, 50% aller Fälle undiagnostiziert bleiben.

Eine verzögerte Diagnose und damit auch ein späterer Therapiebeginn kann jedoch zu schwerwiegenden Folgebeschwerden führen. Die unbehandelte Mundtrockenheit führt regelmäßig zu Zahnverlust, Parodontose oder Pilzinfektionen der Mundschleimhäute.

In der Hals-Nasen-Ohrenklinik und Poliklinik des Klinikums rechts der Isar in München wurden 73 Patienten mit einem primären Sjögren Syndrom hinsichtlich ihrer Erkrankung und der damit einhergehenden Beschwerden untersucht. Durchschnittlich waren die Patienten 56,4 Jahre alt, 9 von 10 Patienten waren weiblich. Die durchschnittliche Dauer vom Auftreten der ersten Symptome bis zum Zeitpunkt der Diagnose betrug 20,7 Monate. Das wichtigste Leitsymptom zum Zeitpunkt der Vorstellung in der Poliklinik stellte die Trockenheit von Mund und Auge dar, wobei 91% der Patienten eine Augentrockenheit und 90% der Patienten eine Mundtrockenheit beklagten (Mehrfachnennung möglich). Darüber hinaus gaben 84% der Patienten eine Trockenheit der Nase an. Sehr häufig wurden auch Beschwerden angegeben, die sich aus der Mundtrockenheit heraus ergaben, wie etwa Schluckbeschwerden (60,1%), Schmeck- bzw. Riechstörungen (36,8%), Karies (70,6%) oder Probleme beim Tragen von Zahnprothesen (16,2%).

Da durch die reduzierte Menge und veränderte Zusammensetzung des Speichels wichtige Funktionen, wie etwa die Stärkung des Zahnschmelzes oder der Schutz der Mundschleimhäute, nicht mehr ausreichend ausgeübt werden können, müssen Maßnahmen zur Lokaltherapie eingeleitet werden. Zur Symptomlinderung sollte auf eine ausreichende Trinkmenge geachtet werden – harte und trockene Lebensmittel sollten ebenso wie Alkohol oder Koffein vermieden bzw. reduziert werden. Die verbliebene Speicheldrüsenfunktion sollte stimuliert werden. Dies kann durch Kauen von zuckerfreien Kaugummis oder Lutschen zuckerfreier Bonbons gelingen.

Sollte dies nicht ausreichend sein, gibt es eine Vielzahl an Speichelersatzprodukten in Form von Sprays, Gelen, Mundspüllösungen oder Zahnpasten, die zur Linderung der Mundtrockenheit eingesetzt werden können.

An der Hals-Nasen-Ohrenklinik und Poliklinik des Klinikums rechts der Isar wurde der Effekt einer Lokaltherapie mit einem Mundspray, welches Liposomen enthält, untersucht. Hier konnte eine deutliche Verbesserung der empfundenen Mundtrockenheit nachgewiesen werden. Zudem kann eine medikamentöse Steigerung der Speicheldrüsenproduktion versucht werden. 

In der Behandlung der Mundtrockenheit ist es zudem wichtig, vorbeugende Maßnahmen einzuleiten, um Komplikationen der Mundtrockenheit zu vermeiden. Hierzu zählen zum einen eine regelmäßige Vorstellung bei einem Hals-Nasen-Ohrenarzt und einem Zahnarzt sowie eine gründliche Mundhygiene. Nebenerkrankungen, wie etwa ein Diabetes mellitus oder Begleitmedikationen, sollten bestmöglich behandelt bzw. auf die Bedürfnisse eines Sjögren-Patienten angepasst werden.

Für Interessierte:

Hofauer B, Bas M, Mansour N, Knopf A. Effekt liposomaler Lokaltherapie auf die Sicca-Symptomatik des primären Sjögren-Syndroms. HNO 2013; 61(11):921-927

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23868654


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